Historie

Im Sommer des Jahres 1912 wurde in Rhöndorf die Idee geboren, einen Turnverein mit dem Ziel “Im Geiste Turnvater Jahns zu turnen und durch Sport und Spiel die körperliche Ertüchtigung, vor allem der Jugend, in die Hand zu nehmen” zu gründen. Am 01. September 1912 trugen sich der Arzt Dr. Kemper, der Hotelier Alois Roßkamp, der Bademeister Johann Stockhausen und der Friseur Peter Pauli in das handschriftliche Vereinsregister ein. Mit dem Schlachtruf “Mit Gott für König und Vaterland” wurde der Trägheit und dem Müßiggang der Kampf angesagt.

Bei der ersten Mitgliederversammlung im Dezember 1912 zählte der Rhöndorfer Turnverein 1912 bereits 65 Mitglieder. Diese setzten sich aus 21 aktiven Turnern, 11 Zöglingen sowie 33 Turnfreunden zusammen. Geturnt wurde erst an geliehenen Geräten in Sälen von Hotels und Gaststätten in Rhöndorf. Später konnte man gebrauchtes Turngerät eines Königswinterer Vereins erstehen. Diverse Trainingseinheiten fanden in der Garage des ehemaligen “Kurhauses Drachenfels” statt.

In den 1960er Jahren reifte der Wunsch nach einer eigenen Turnhalle heran und zum 50. Jubiläum im Jahre 1962 erfolgte der erste Spatenstich auf einem ehemals städtischen Grundstück am Mühlenweg. Mit viel Eigenleistung wurde die Turnhalle innerhalb von fünf Jahren fertig gestellt und eröffnete völlig neue Möglichkeiten. So bot der RTV 1912 e.V. fortan auch Trampolinspringen und seit 1969 das zukünftige „Flaggschiff“ Basketball an.

Die Gründung der Basketball-Abteilung geht dabei, so seltsam es klingen mag, auf das Konto einer gewissen „Lustlosigkeit“. Denn Tatsache ist, dass eine unverbesserliche Clique die reguläre Turnstunde im Schongang absolvierte und erst beim „Dessert“ – der Jagd auf die Körbe – so richtig mitmischte.

historie_1Bei diesen Turnmuffeln handelte es sich namentlich um Jochen Fauck und die Gebrüder Ferdi und Franz-Ludwig Solzbacher. Übungsleiter Detlef Rickert schuf schließlich im Jahre 1968 die erste offizielle Basketballstunde. Spätestens als das Trio von den hoch talentierten Korbjägern Helgi aufm Kampe und Norbert Walkembach Verstärkung erhielt, war klar: Eine Basketball-Abteilung musste her! Detlef Rickert nahm die Herausforderung ohne zu zögern an, am 1. Januar 1969 erfolgte die offizielle Gründung. Rickert übernahm auch direkt das Amt des Abteilungsleiters.

Dank einer glücklichen Auslosung durfte der RTV statt in der dritten sofort in der zweiten Kreisliga Köln an den Start gehen. Es sollte der Auftakt eines im wahrsten Sinne des Wortes unaufhaltsamen Aufstiegs werden. Gleich im ersten Jahr gelang der Truppe die Meisterschaft und der Aufstieg in die erste Kreisklasse. Noch heute erinnert man sich gerne an die legendäre „68er-Gang“, deren Name auf den Abiturjahrgang des Mannschaftskerns um die Anführer Norbert Walkembach und Helgi aufm Kampe zurückzuführen ist. In den folgenden Jahren eilten die langen Jungs aus Rhöndorf von Erfolg zu Erfolg. Fast im D-Zug-Tempo wurde die Regionalliga erreicht – hauptsächlich mit Eigengewächsen!

historie_2Auch ein Verdienst von Abteilungsleiter Detlef Rickert, der sich als geborener Manager erwies und mit Weitblick den Hauptverein umstrukturierte. In Zusammenarbeit mit Ferdi und Franz-Ludwig Solzbacher entstand eine RTV-Satzung. 1972 wurde zudem eine detaillierte Wettkampfordnung – bis heute eine wesentliche Grundlage der Basketball-Abteilung – entworfen. Im gleichen Jahr wurde Rickert zum Vorsitzenden des Gesamtvereins gewählt, seine Nachfolge als Abteilungsleiter trat Friedel Bühner an.

Unter dessen Führung entwickelte sich die Abteilung besonders im Breitensport weiter. Die Jugendarbeit wurde zum ganzen Stolz der Rhöndorfer Basketballer. Den schlagenden Beweis lieferte die 76er-A-Jugend um Axel Götz. Rolf Albrecht, Jürgen Nieswand, Ralf Schwippert, Martin Walkembach und Jürgen Müller. Ihr gelang es, in die Endrunde der Westdeutschen Meisterschaft einzuziehen und dort den dritten Platz zu erkämpfen.

Auch die Medien berichteten nun häufiger über das Geschehen unter den Brettern. Reinold „Türk“ Hüster und Norbert „Ziggi“ Ziegert reichte der Informationsgrad aber nicht aus. Die beiden entschlossen sich, eine objektive und informative Lektüre über die Rhöndorfer Riesen ins Leben zu rufen. In mühevoller Handarbeit entstanden zu Beginn der Saison 1980/81 die ersten Exemplare der Hallenzeitung „TipIn“. Seitdem gibt es bei jedem Heimspiel eine aktuelle Ausgabe – absolut rekordverdächtig!

historie_3Nach dem rasanten Aufstieg von der Kreisliga in die dritthöchste Spielklasse Deutschlands sollte die Euphorie zunächst einen Dämfer erhalten. Die erste Mannschaft musste den bitteren Gang zurück in die Oberliga antreten und der Unterbau schrumpfte. Ende der 80er stand die gesamte Basketball-Abteilung am Scheideweg. Um die sportlichen Perspektiven insgesamt zu verbessern, musste ein neues Konzept her.

Da erinnerte man sich im Rhöndorfer Lager an einen guten alten Bekannten: Franz-Ludwig Solzbacher. Dieser hatte sich in der Zwischenzeit als erfolgreicher Unternehmer einen Namen gemacht, seine Liebe für den RTV war dabei nie erloschen. Nahe liegend also , „Fralu“ als Sponsor für den Basketball zu gewinnen. Dieser fing schnell Feuer und versprach Hilfe. Erste Schlachtpläne für die Zukunft wurden geschmiedet. Und da „Fralu“ keine halben Sachen macht, lautete das ehrgeizige Ziel: Erstliga-Basketball!

Eine seiner ersten Amtshandlungen war – bis dahin undenkbar – die Verpflichtung des Amerikaners Zeddie Locke. Er sollte maßgeblichen Anteil am zweiten Platz in der Oberliga haben, der zum Aufstieg in die zweite Regionalliga reichte. Folgend verstärkten Basketball-Legende Michael Pappert und der US-Boy Jeff Hite das Team. Auf Anhieb gelang der Durchmarsch in die erste Regionalliga. Und es wurde fleißig weiter aufgerüstet: Center Klaus Zander, wie Pappert ehemaliger Nationalspieler, fand den Weg nach Rhöndorf. Im Laufe der Saison sollte außerdem ein weiterer Drachen-Macher dazu stoßen: Trainer Michael Laufer.

historie_4Für die Saison 1992/93 konnte es nur ein Ziel geben: Zweite Bundesliga! Trotz der Nachverpflichtung des 2,22-Meter-Hünen Rolf „Bibo“ Mayr reichte es aber „nur“ zu Platz Zwei. Da aber der SVD Dortmund seine Lizenz zurückgab, wurde der Weg doch noch frei. Knapp 25 Jahre nach der Gründung war die Basketball-Abteilung des RTV in der Bundesliga angekommen.

Gleich im ersten Jahr erreichten die Laufer-Jungs hier einen sensationellen zweiten Platz hinter Paderborn. Sicherlich auch ein Verdienst von Kamil Novák. Der tschechische National-Center spielte sich auf Anhieb in die Herzen der Zuschauer. Erste Träume vom Oberhaus keimten auf, Neuzugang Thomas „Düse“ Deuster lieferte entsprechenden Nährstoff.

Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht: Am letzten Spieltag der Aufstiegsrunde 1994/95 kam es zum großen Showdown mit dem TuS Lichterfelde. Die Vorzeichen waren klar: Nur der Sieger dieses Duells würde in die BBL aufsteigen. Die Dragons ließen sich die Chance nicht nehmen, siegten vor restlos ausverkaufter Kulisse am Menzenberg, angeführt von einem starken Martin Otto, mit 80:64. Damit stand fest: „Mir sin drin!“

historie_5Danach konzentrierte sich Meister-Coach Michael Laufer zunächst als Geschäftsführer um die Geschicke des Schloss Hagerhof. Sein Nachfolger Rob Friedrich konnte jedoch die sportlichen Erwartungen nicht erfüllen, sortierte Denkmal Kamil Novák aus und musste wenig später selbst den Hut nehmen. So musste Michael Laufer wieder ran, über die Relegation konnte der Klassenerhalt doch gesichert werden.

Der Kampf gegen den Abstieg sollte daraufhin kein Thema mehr sein. Mit dem Traum-Duo Steven Key und Richard Morton sicherten sich die Drachen ein Jahr später einen grandiosen zweiten Tabellenplatz hinter den Überfliegern von ALBA Berlin. In den Playoffs scheiterten die Jungs von Headcoach Tom Schneeman dann aber in einer legendären Serie knapp am Lokalrivalen Telekom Baskets Bonn.

Die Enttäuschung über das Aus währte aber nur kurz, schließlich hatte man sich erstmals für einen internationalen Wettbewerb qualifiziert. Hier erreichten die Dragons 1997/98 gleich das Achtelfinale. Unvergessen bleiben dabei die Duelle mit Charleroi. Der belgische Meister galt als klarer Favorit, doch vier voll mit Drachen-Fans beladene Reisebusse verwandelten die Spirou-Halle in ein Tollhaus. „Goldfinger“ Richard Morton machte an diesem Abend seinem Namen alle Ehre und sorgte beim sensationellen Auswärtserfolg für grenzenlose Party-Stimmung.

historie_6Doch damit nicht genug: Im DBB-Pokal erreichte man das „Final-Four-Turnier“. In Frankfurt konnten sich die Drachen in einem dramatischen Halbfinale gegen Bamberg durchsetzen. Und auch das Endspiel gegen den TVG Trier war eigentlich schon gewonnen. Eigentlich, denn mit der Schlusssirene klinkte ein gewisser Bernard Thompson einen Dreier zum Ausgleich ein. Von diesem Schock sollten sich die Dragons in der Verlängerung nicht mehr erholen. Dennoch war der Vize-Pokaltitel der größte Erfolg der Vereinsgeschichte.

Auch die folgende Saison war erfolgreich, die Hauptrunde schlossen die Jungs von Headcoach Joe Whelton als Dritter ab. Unvergessen das Spiel gegen Berlin: Die Drachen spielten den Meister förmlich an die Wand, führten kurz vor Schluss deutlich, ehe die Anzeigetafel für rund 30 Minuten ausfiel. Urplötzlich zeigte Rhöndorf Nerven und die Berliner kamen binnen kürzester Zeit noch einmal auf zwei Zähler heran. Doch Matt Alosa stellte mit einem Wahnsinnsdreier aus gut und gerne acht Metern den 87:82-Endstand her. In den anschließenden Playoffs wurde das Halbfinale erreicht, doch auch diesmal war der Gegner aus Bonn nicht zu bezwingen. „Gunman“ Hurl Beechum zerstörte im vierten Spiel mit unfassbaren zwölf (!) Dreiern letzte Träume vom Finale.

historie_7Nach der Saison traten die Dragons freiwillig den Gang in die 2. Bundesliga an. Das Jugend-Leistungszentrum am Schloss Hagerhof hatte sich in der Zwischenzeit prächtig entwickelt, so dass man in Rhöndorf umdachte. Fortan sollte die Talentförderung wieder an erster Stelle stehen. An der Seite des erfahrenen US-Spielmachers Duane Washington, während der vorherigen Saison als Nachfolger von Steven Key verpflichtet, sollten sich die jungen Wilden eine Etage tiefer entwickeln. Überwog zu Beginn natürlich die Enttäuschung, konnte sic h das neu formierte Team schnell in die Herzen der Fans spielen.

In der Liga erreichte man einen sehr guten dritten Tabellenplatz, doch viel bemerkenswerter waren die Pokalauftritte der jungen Truppe von Headcoach Berthold Bisselik. Nacheinander mussten die Erstligisten aus Hagen (82:54), Ulm (80:74) und Leverkusen (86:85) im DragonDome die Segel streichen. So stürmten die Dragons als erster Zweitligist überhaupt erneut ins „Final-Four-Turnier“ in Frankfurt. Auch wenn man dort dann deutlich die Grenzen aufgezeigt bekam, gehört der sensationelle Pokallauf ebenfalls zu den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte.

historie_8Im darauf folgenden Jahr entwickelte sich ein dramatischer Zweikampf um die Meisterschaft mit den Drachen aus Quakenbrück. Höhepunkt dabei der Showdown am letzten Spieltag der Saison. Alfred Hitchcock führte in der Nervenschlacht Regie, denn spannender geht es eigentlich gar nicht. Nach vierzig Minuten und einer Ein-Punkt-Führung stürmten die Quakenbrücker Fans in der Annahme das Feld, den Aufstieg geschafft zu haben. Jedoch hatten sie den Foulpfiff der Schiedsrichter überhört. Center Thomas Lieschke warf die Rhöndorfer Drachen mit einem verwandelten Freiwurf in die erste von zwei Verlängerungen. Hier setzten sich die Bisselik-Jungs mit 100:97 durch und schickten die Quakenbrücker ins Tal der Tränen. Es folgte eine rauschende Meister-Party im nahe gelegenen Merzen, dem Geburtsstädtchen von Flügelspieler Jürgen Maaßmann.

Den Aufstieg nahmen die Dragons im Sinne des Jugendkonzepts nicht wahr. Einige der Rhöndorfer Talente sollten jedoch in den kommenden Jahren den Sprung in die erste Liga schaffen. An der Seite der erfahrenen Duane Washington, Michael Koch und Chris Rojik entwickelten sich Youngster wie Yassin Idbihi, Artur Kolodziejski, Johannes Strasser oder Dominik Bahiense de Mello zu absoluten Leistungsträgern des Teams und erhielten folgerichtig Angebote aus der BBL.

historie_9Sportlich schnitten die Drachen in diesen Jahren stets im oberen Drittel der Tabelle ab. Mit Beginn der Saison 2007/08 sollte es allerdings eine Reform in der bisherigen 2.Bundesliga geben. Um die Lücke zur BBL zu verkleinern und die Vereine zu professionalisieren, entstanden zwei neue Ligen mit klaren strukturellen Anforderungen: die ProA und die ProB. Um in der zweithöchsten Spielklasse ProA eine gute Rolle spielen zu können, musste jedoch zunehmend auf ausländische Spieler zurückgegriffen werden. So befanden sich im damaligen Team von Trainer Olaf Stolz – mittlerweile als Headcoach des NBBL-Teams Bonn/Rhöndorf zurück am Mittelrhein – gleich fünf US-Boys. Zwar schloss man die Saison auf einem guten vierten Tabellenplatz ab, doch stand das Konzept der Talentförderung nun wieder stark auf der Kippe. Folglich gingen die Dragons erneut freiwillig eine Liga nach unten und begannen die Saison 2008/09 mit zahlreichen Eigengewächsen in der ProB.

Nach einem vierten Tabellenplatz im ersten Jahr verließ Olaf Stolz die Drachen in Richtung BBL. Nachfolger Eric Detlev, bereits seit einigen Jahren im Verein, sollte die erfolgreiche Jugendarbeit fortsetzen. Was folgte, war eine nahezu perfekte Saison, an dessen Ende die souveräne ProB-Meisterschaft gefeiert werden konnte. Dennoch waren sich die Drachen-Macher nicht sicher ob der sportliche Auzfstieg auch wahrgenommen werden sollte. Ein wesentliches Argument dagegen war sicherlich der Ausstieg von Franz-Ludwig Solzbacher als Hauptsponsor nach mehr als 20 Jahren. Doch mit einer bemerkenswerten Energieleistung wurden schnell neue Strukturen geschaffen und das Tor zur ProA aufgestoßen.

historie_10Hier musste man allerdings feststellen, dass mit den finanziellen Möglichkeiten kaum eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufs Parkett geschickt werden konnte. Es folgte der sofortige sportliche Wiederabstieg, welcher durch die Lizenzentzüge einiger Konkurrenten eigentlich hinfällig geworden wäre. Doch die Verantwortlichen entschieden sich, trotzdem wieder in die ProB zurückzugehen, um mit neuen Konzepten ein finanzielles Fundament für einen zukünftigen Wiederaufstieg zu schaffen. Nach einem soliden Jahr, in dem man die erstmalig ausgetragenen Playoffs der ProB erreichte, folgte dann ein Schnitt. Headcoach Eric Detlevs Vertrag wurde nicht verlängert und mit Boris Kaminski übernahm ein neuer Mann das Zepter als Sportlicher Leiter und Cheftrainer. Das „Projekt 2015“ wurde ins Leben gerufen. Mit dem klaren Ziel, bis zum Jahr 2015 die Voraussetzungen für eine Rückkehr in die ProA zu schaffen.

Am 08. September 2012 ehrte der Rhöndorfer Turnverein 1912 e.V. anlässlich seines 100jährigen Bestehens folgende Mitglieder mit deren Einverständnis für mindestens 40 Jahre Mitgliedschaft:

Barbara Menzel (zurzeit stellvertretende Vorsitzende des Vereins)
Detlev Rickert
Karl-Peter Becker
Reinhard Brix
Helge aufm Kampe
Joachim Fauck
Michael Lange
Ferdinand Solzbacher
Franz-Ludwig Solzbacher
Silvia Zimmermann
Maria Kruft
Friedel Bühner
Norbert Walkembach

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Seit über vier Jahrzehnten Mitglied im RTV: Die Jubilare bei der 100-Jahr-Feier