And One – Drei Fragen an: Daniel Sünnen

Daniel Sünnen ist ebenso wie sein Bruder ein Urgestein der Dragons Rhöndorf und ist seit 2018 erneut als Schiedsrichterwart Mitglied des Vorstands der Drachen vom Menzenberg. Im Interview gibt der ProA- und ProB-erfahrene Referee Einblick in die Probleme der Nachwuchsgewinnung und die Highlights seiner bisherigen Laufbahn.

Daniel, du bist als Schiedsrichterwart und Vorstandsmitglied in die vorderste Reihe der Dragons Rhöndorf zurückgekehrt. Was hat dich dazu veranlasst und wie sehr nehmen dich die Aufgaben in Beschlag?

Daniel Sünnen: Rhöndorf ist meine basketballerische Heimat und ich war bereits bis 2008 Schiedsrichterwart des RTV. Dann war ich ein paar Jahre Schiedsrichterwart des Kreis Bonn und bis 2013 Schiedsrichter*innen-Ausbilder des WBV. Zwischen 2013 und 2018 habe ich mich auf meinen Job und meine Schiedsrichter-Karriere fokussiert und als dann im September 2018 der Anruf aus Rhöndorf kam, hatte ich wieder Lust und war motiviert mich ehrenamtlich einzubringen. In der letzten Saison habe ich mich hauptsächlich um das Schiedsrichterwesen des RTV gekümmert. In dieser Saison ist mein Aufgabenfeld ein bisschen breiter geworden. Da wir aktuell leider sehr wenige Schiedsrichter*innen, die für den RTV gemeldet sind, haben, nimmt die Betreuung der SR während der Saison auch wenig Zeit in Anspruch. Aus- und Fortbildungen finden nur vor der Saison statt und das operative Tagesgeschäft (Ansetzung von Jugendspielen etc.) übernimmt, im Gegensatz zu meiner ersten Amtszeit, mittlerweile die Geschäftsstelle. Daher konnte ich mich, neben der strategischen Ausrichtung des SR-Bereichs, während der Saison auch noch um andere Themen, wie die Organisation der Jugend-Strategie-Entwicklung, übernehmen. Da ich diese Saison als ProA-SR pausiere, war es mir möglich, einen Teil meiner neu gewonnenen Zeit zu investieren – auch wenn ich manchmal gerne noch mehr machen würde.

Wie in vielen anderen Sportarten auch, fehlt im Basketball der Schiedsrichter-Nachwuchs. Was sind aus deiner Sicht die Gründe und mögliche Lösungen?

Aus meiner Sicht gibt es zwei Haupt-Gründe für das Nachwuchs-Problem: Zum einen sind junge Menschen durch Schule (G8, Nachmittagsunterricht etc.) oder Studium (Bachelor-/ Master-System) heute in ihrer Freizeitplanung weniger flexibel als zum Beispiel noch vor 15 Jahren. Zum anderen gibt es zu wenig lokale Schiedsrichter-Vorbilder. Ich habe noch keine Muster-Lösung für das Problem, jedoch denke ich, dass wir authentischer vermitteln müssen, dass Schiedsrichtern für die meisten aktiven SR keine nervige Pflicht-Aufgabe ist, sondern ein Hobby, das Spaß macht und bei dem man nebenbei auch noch gutes Geld verdient.
Bezüglich der Vorbilder ist die Situation so, dass wir in Deutschland zwar mittlerweile viele international renommierte Schiedsrichter haben und mit Anne Panther auch eine weibliche Schiedsrichterin, die letztes Jahr sogar im EuroLeague-Final-Four zum Einsatz kam, jedoch brauchen wir im Verein wieder mehr Vorbilder, die „nahbarer“ sind, als die SR, die man im Fernsehen sieht.
Zusammenfassend stehen wir vor einem Henne-Ei-Problem, weil wir aktuell zu wenig SR haben, die für den RTV gemeldet sind, und somit zu wenig Multiplikator*innen. Wir arbeiten daran, diesen Missstand abzustellen und sind interessiert an Jeder/ m, die/ der sich für den SR-Job interessiert!

Du hast als aktiver Schiedsrichter in der 2.Basketball Bundesliga auch schon so manche Basketball-Schlacht begleitet. Gibt es einen oder mehrere Momente, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ich bin seit 19 Jahren Schiedsrichter und pfeife seit 2009 ProB- und seit 2012 ProA-Spiele – da haben sich natürlich einige großartige Momente ergeben. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Regionalliga-Spiel Ende 2008. Es war das Spiel Leverkusen gegen Schwelm in der Dopatka-Halle vor 2.000 Zuschauern. Beide Teams spielten um den Aufstieg in die ProB und waren zu dieser Zeit ähnlich erbitterte Konkurrenten wie die Pistons und die Bulls in den Neunzigern. Das Spiel war sehr physisch und wir hatten alle Hände voll zu tun. Es gab unter anderem ein sehr hartes Foul eines Leverkuseners, welches ich als Offensiv-Foul ahndete, jedoch ein Unsportliches war. Der gefoulte Spieler (der ehemalige Drache Kris Krzyminski) lag mehrere Minuten benommen auf dem Parkett. Spätestens zu diesem Zeitpunkt kochte die Stimmung in der Halle. Sehr physisch geführte Spiele sind für Schiedsrichter zwar herausfordernder, weil mehr Kontakte beurteilt werden müssen, aber es ist ja kein Geheimnis, dass ich diese Spiel bevorzuge (lacht). Ansonsten habe ich immer sehr gerne „im Osten“ (Gotha, Jena, Chemnitz, MBC) gepfiffen. Alle Standorte hatten super nette Schiedsrichter-Betreuer*innen und die Atmosphären in den Hallen waren immer beeindruckend. Die professionellsten Rahmenbedingungen in den letzten Jahren in der ProA hatten mit Sicherheit die heutigen BBL-Standorte Vechta und Hamburg. Dies ist zwar keine zwingende Voraussetzung für eine Basketball-„Schlacht“, bietet jedoch einen tollen Rahmen…