Dragons Rhöndorf – feuer.und.flamme | „Es warten viele Aufgaben auf uns“ – Die Geschäftsführer der Dragons Rhöndorf im Doppel-Interview

„Es warten viele Aufgaben auf uns“ – Die Geschäftsführer der Dragons Rhöndorf im Doppel-Interview

Doppelt hält besser! Im ersten Teil des großen Sommer-Interviews blicken Alexander Dohms, Geschäftsführer der Dragons Rhöndorf und Yassin Idbihi, Geschäftsführer Sport, auf die Umbrüche im Kooperations-Programm Bonn/Rhöndorf und die Stellschrauben für eine erfolgreiche Basketball-Zukunft zwischen #Heartberg und Drachenfels.


Wir schreiben August 2019 und befinden uns mitten im Vorlauf zur neuen Spielzeit. Wir würdet ihr den aktuellen Ist-Zustand der Dragons Rhöndorf beschreiben?

Yassin Idbihi: Kurz und knapp, es wartet noch ein Haufen an Arbeit auf uns. Es steckt unglaublich viel Potential in diesem Verein, aber es ist ein langer Weg dieses wieder zu wecken und zu nutzen.

Alexander Dohms: Es liegt einer der größeren Umbrüche der vergangenen Jahre hinter uns. Nach einer enttäuschenden Spielzeit 2018/19 war es wichtig frühzeitig zu versuchen die Begeisterung und Identifikation wieder zu wecken und ich glaube mit vielen guten Nachrichten ist uns dies auch gelungen. Yassin hat in seinen ersten Wochen bei uns schon fantastische Arbeit geleistet. Aber sicherlich wird sich vieles von dem, was wir heute anstoßen erst perspektivisch in einigen Jahren als positive Entwicklung sichtbar werden.

Yassin, du warst in den vergangenen Jahren im Süden der Basketball-Republik verwurzelt. Wie hast du die Entwicklungen bei den Dragons aus der Entferung wahrgenommen?

Yassin Idbihi: In den ersten Jahren der Kooperation hat vieles recht gut funktioniert und Spieler wie Fabian Thülig, Jonas Wohlfarth-Bottermann und Florian Koch konnten als Talente über Rhöndorf den Sprung in die erste Bundesliga schaffen. Danach sind die Dragons als Ausbildungsverein leider Stück für Stück von der nationalen Bildfläche verschwunden, was vielerlei Faktoren hatte. Sicherlich fehlten in den letzten Jahren auch die Leitfiguren im Jugendbereich, die als Gesichter ein solches Programm repräsentieren. Über meine guten Kontakte zum Schloss Hagerhof habe ich auch aus der Entfernung das eine oder andere mitbekommen. Wichtig ist, dass nun im gesamten Programm die richtigen Schlüsse aus der Vergangenheit gezogen wurden und wir uns hier und in Bonn besser für Zukunft aufgestellt haben.

Was sind für euch die wichtigsten Stellschrauben für eine Weiterentwicklung der Dragons Rhöndorf?

Alexander Dohms: Wie Yassin es Eingangs schon erwähnt hat, warten viele Aufgaben auf uns, einige kurzfristig und einige langfristig. Eines der wichtigsten Themen ist für mich das Vereins-Gefühl, denn nur über Identifikation und Euphorie entsteht der Zusammenhalt, der einen Verein ausmacht und dabei beziehe ich mich auf alle Mannschaften, sowohl im Leistungs-, als auch im Breitensport. Die Dragons Rhöndorf müssen als ein Verein und Marke wahrgenommen werden und es darf intern und extern keine Trennung mehr zwischen 1. Herren, Damen-Bereich und den restlichen Teams geben. Ein weiterer Punkt, in dem wir Nachholbedarf haben, ist auch sicherlich die Ausbildung unserer Spieler und Trainer, wo wir uns vom Jugend- über den Breiten- und Leistungssport besser aufstellen können und müssen, damit auch unsere Spieler noch besser ausgebildet werden.

Eine wichtige Basis für die Ausbildung junger Spielerinnen und Spieler sind die Leistungs-Mannschaften in der WNBL, JBBL und NBBL. Wie bewertet ihr die aktuelle Situation der Teams?

Yassin Idbihi: Im Bereich der Damen wurde in den vergangenen Jahren eine sehr gute Arbeit geleistet und die Ergebnisse der Mannschaften sprechen für sich. Stellvertretend sei hier Martin Otto erwähnt, der mit viel Leidenschaft und Akribie den weiblichen Bereich leitet. Im männlichen Bereich haben wir ebenfalls einige Talente, aber wie bei vielen Clubs fehlen die großen Spieler. Das ist ein Problem, was viele Programme haben und die Konkurrenz bei der Akquise junger Spieler für die Positionen Power Forward und Center entsprechend groß ist. Wir haben auf jeden Fall einige interessante Jungs in unseren Teams, mit denen wir nun intensiv arbeiten werden, damit sie vielleicht den Sprung schaffen und eines Tages für die Dragons Rhöndorf oder sogar die Telekom Baskets Bonn auflaufen.

Alexander Dohms: Ich denke sowohl das JBBL-, als auch das NBBL-Team stehen beispielhaft für das gesamte Programm, wo wir in den vergangenen Jahren nicht mehr so erfolgreich waren, wie noch zu Beginn der Kooperation. Beide Mannschaften werden aber sicherlich von unserer Neuausrichtung profitieren, bei der Yassin von unserer Seite und Thomas Adelt von Seiten der Telekom Baskets Bonn, gemeinsam mit den beiden Coaches Savo Milovic und Philipp Stachula, die Fäden in der Hand halten. Wichtigste Basis für die Teams sind die U14-Jahrgänge und jünger, bei denen es uns gelingen muss, möglichst viele Spieler in den Leistungsbereich zu bringen und diese dort im athletischen und individuellen Bereich noch besser auszubilden. Mit einer breiteren Basis an hauptamtlichen Trainern sind wir für dieses Vorhaben jetzt wesentlich besser aufgestellt und können der gesamten Kooperation einen Schub geben.

Yassin, du warst in den vergangenen Jahren als Jugendkoordinator bei Brose Bamberg tätig und konntest dich in einem der größten Basketball-Programm des Landes einbringen. Welche Erfahrungen und Inhalte konntest du mitnehmen und lassen sich diese auf die Bonn/Rhöndorfer-Kooperation übertragen?

Yassin Idbihi: Ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich bei Brose Bamberg machen durfte. Ich sehe meine Zeit dort als meine persönliche Ausbildungs-Phase und konnte mich dort in vielerlei Hinsicht einbringen. Eine der zentralen Erkenntnisse für mich war, wie wichtig der Unterbau für einen Verein ist. Dabei beziehe ich mich vor allem auf den Mini-Bereich, also u8 bis u12. Dieser Nachwuchs ist die Basis und die Zukunft eines Vereins und hier muss die Förderung, aber auch die Begeisterung für den Basketball beginnen. Mit der Grundschulliga ist auch hier eine Basis bereits vorhanden, aus der wir aber noch viel mehr machen können und müssen, um in Zukunft im Mini-Bereich mit zahlreichen Teams vertreten zu sein. Eine zweite zentrale Erfahrung war für mich die Nutzung von zahlreichen Herren-Teams für den Jugendbereich. Für jeden jungen Spieler ist es super, so früh wie möglich bei den Herren erste Erfahrungen zu sammeln, egal ob ProA, ProB, Regionalliga oder Oberliga. Man kann für jeden Nachwuchsspieler die passende Herausforderung finden und so den Übergang aus der Jugend in den Senioren-Bereich erleichtern. Hier haben wir sicherlich noch viel Steigerungspotential und müssen herausarbeiten, wie wir unsere Herren-Teams noch besser mit der Jugend verknüpfen können.

Mit den Telekom Baskets Bonn, dem Schloss Hagerhof und den Dragons Rhöndorf sind ja gute Zutaten für ein erfolgreiches Basketball-Programm vorhanden. Wie sieht eurer Meinung nach das optimale Zusammenspiel aller Faktoren für einen nachhaltigen Erfolg aus?

Yassin Idbihi: Wie du schon sagst, sind es bereits nahezu optimale Voraussetzungen. Die Infrastruktur mit dem Telekom Dome samt Ausbildungszentrum, dem DragonDome und dem Schloss Hagerhof als Trainings- und Ausbildungsstätten muss sich vor keinem anderen Programm im Land verstecken. Wir haben kurze Wege von maximal 30 Minuten zwischen Rhöndorf und Bonn. Wir müssen die Vernetzung zwischen allen Standorten optimieren und für ein reibungsloses Zusammenspiel sorgen.

Alexander Dohms: Wir müssen klar zugeben, dass wir unsere Infrastruktur in den letzten Jahren einfach nicht gut genutzt haben. Mit den Analysen über den Sommer konnten wir nun inhaltlich eine neue und gute Grundlage legen und ich denke auch die neue Ausrichtung bei den Telekom Baskets wird dem gesamten Programm gut tun. Mit dem Schloss Hagerhof haben wir ein echtes Pfund hier vor Ort, wo die jungen Talente durch das angeschlossene Internat quasi direkt aus dem Bett in die Halle und den Unterricht fallen können und wir schulische und sportliche Ausbildung optimal verknüpfen können, auch für internationale Spielerinnen und Spieler. Optimal wäre es , wenn es uns gelingen würde hier bei den Dragons eine möglichst junge Truppe aufzubauen, die sich im Altersbereich U22 ansiedelt und mit viel Talent und Potential die Regionalliga bzw. möglichst bald wieder die ProB aufmischt und über die sich die Spieler für die Telekom Baskets Bonn empfehlen können. Mit Jungs wie Kilian Binapfl, David Falkenstein oder auch Gabriel de Oliveira haben wir solche Talente nun in unseren Reihen und ich hoffe, dass sie sich für erste Minuten bei Thomas Päch empfehlen können. Langfristig haben wir klar das Ziel der beste Nachwuchs-Standort in NRW zu werden und das Potential dafür haben wir. Wenn junge Spieler sagen, dass sie nur nach Bonn/Rhöndorf wollen und hier ihre besten Chancen sehen, dann haben wir einen Großteil unserer Hausaufgaben gut erledigt. In das Optimal-Bild gehört natürlich auch, dass wir hier vor Ort unsere Jugend ebenfalls pushen und von der Grundschulliga an mit vielen Kooperationen mit anderen Vereinen ein breites Netz spannen über den gesamten Rhein-Sieg-Kreis.

Im zweiten Teil des Interviews blicken die beiden Geschäftsführer der Dragons Rhöndorf auf die kommende Regionalliga-Saison, ihre Arbeitsaufteilung und die Vor-und Nachteile eines gemeinsamen Büros.