Gezeiten Haus Cup Team-Check: s.Oliver Würzburg

So hatten sich die sportlichen Erben von Dirk Nowitzki, Robert Garrett und Demond Greene die Saison 2016/2017 wahrlich nicht vorgestellt! Nach dem Erreichen der Playoffs 2016, war auch in der vergangenen Saison die Postseason als Ziel ausgerufen worden, doch die Realität in einer teils chaotischen Spielzeit auf und neben dem Feld hieß: Abstiegskampf. Nun sollen wieder ruhigere Zeiten in Unterfranken anbrechen, für die vor allem Trainer-Star Dirk Bauermann sorgen soll, der in seine erste volle Saison als Headcoach von s.Oliver Würzburg geht.


Der Kader
Nach Rang 14, mit lediglich 11 Siegen, gegenüber 21 Niederlagen, blieb wie zu erwarten kaum ein Stein auf dem anderen im Kader der Würzburger Korbjäger. Lediglich die Local Player Maurice Stuckey, Lukas Wank, Felix Hoffmann und Kresimir Loncar überlebten den groß angelegten Cut im Team, welches nun erstmals nach den Vorstellungen von Dirk Bauermann zusammengestellt wurde. Bekanntester Name, unter einer ganzen Reihe an Neuzugängen, ist sicherlich US-Boy Clifford Hammonds, der in Deutschland bereits für die MHP Riesen Ludwigsburg und Alba Berlin aktiv war und in seiner Berliner Zeit neben dem Pokal auch zweimal die Auszeichnung als bester Verteidiger der Liga einheimsen konnte. Damit dürfte der routinierte Aufbauspieler fast schon exemplarisch für den von Dirk Bauermann bevorzugten defensiv und teamorientierten Basketball stehen und neben Kresimir Loncar als Leader gesetzt sein. An seiner Seite sollen vor allem die beiden weiteren Neuzugänge Abdul Gaddy (VEF Riga) und D.J. Richardson mit ihrer jugendlichen Athletik einen Großteil des Scorings übernehmen und gemeinsam mit Maurice Stuckey für wichtige Entlastung sorgen. Besonders bei Richardson hoffen die Verantwortlichen, dass er seine guten Leistungen aus der ersten belgischen Liga nach Deutschland übertragen kann und auch in der BBL als hochprozentiger Distanzschütze mit Kettenhund-Qualitäten in der Defense auftritt. Ein ebenfalls in Basketball-Deutschland bekannter Name ist Andrej Mangold, der nach einer von Verletzungen überschatteten Seuchen-Saison in Würzburg die Chance erhält, sich wieder in Form zu bringen und seine Reha abzuschließen. Welche sportliche Rolle der ehemalige Akteur der Telekom Baskets Bonn einnehmen kann, steht nach einem Jahr Pause jedoch noch in den Sternen.
„Ein ehrgeiziger, hungriger und vielseitiger Spieler.“ – So lautet die Beschreibung des Chefs an der Seitenlinie für Power Forward Ryan Anderson, der als Nachfolger der abgewanderten Brandon Lane und Michael Cobbins eine Schlüsselrolle im Front-Court übernehmen soll. Mit der Visitenkarte des besten Rebounders der belgischen Beletage kommt der 2,06 Meter große Big-Man in die Universitätsstadt am Main und dürfte auch in der EasyCredit BBL keine großen Anpassungsprobleme zeigen. Gleich doppelt bedienten sich die Würzburger in Litauen und verpflichteten mit Vytenis Lipkevičius und Osvaldas Olisevičius gleich zwei Korbjäger aus dem Baltikum. Besonders Lipkevičius bringt zudem ein gehöriges Maß an Erfahrung mit nach Würzburg, konnte er doch im Trikot von Zalgiris Kaunas schon 5 mal die Meisterschale der ersten Liga seines Heimatlandes in Empfang nehmen. Alle Anlagen für eine gute Rolle im Kader bringt auch Leon Kratzer mit, der zunächst auf Leihbasis von Meister Brose Bamberg nach Würzburg wechselt. Der “ProA Spieler des Jahres” war im Trikot der Baunach Young Pikes im Unterhaus kaum zu stoppen und konnte auch in der BBL 24 Einsätze verbuchen. Nun will er in Würzburg endgültig in der höchsten deutschen Spielklasse Fuß fassen, was aber nur gelingen kann, wenn er sich an die höhere physische Gangart gewöhnt. Als eine Art Lehrmeister könnte ihm Kresimir Loncar dienen, der in seinen nun 17 Jahren als Profi schon viel von der Basketball-Welt gesehen hat und im vergangenen Jahr zum zweiten mal nach 2000 seine Zelte am Main aufgeschlagen hat.

Der Trainer
No words needed! – Mit Dirk Bauermann hat wahrscheinlich DIE Trainer-Legende des deutschen Basketballs im Dezember 2016 das sportliche Zepter in der Coaching-Zone der Unterfranken übernommen und verleiht dem Basketball-Standort Würzburg allein aufgrund seiner sportlichen Vita neue Strahlkraft. Mit insgesamt 9 Deutschen Meisterschaften und 4 Pokalsiegen mit den Bayer Giants Leverkusen und Brose Bamberg hat der ehemalige Bundestrainer seine Einträge in den Geschichtsbüchern des schönsten Hallensports sicher. Doch trotz der vergangenen Erfolge ist das Engagement in Würzburg auch für Coach B eine Chance, nach eher mäßig erfolgreichen Engagements als Headcoach in Litauen und Russland wieder in Deutschland seine Qualitäten unter Beweis stellen zu können. Mit seinem Fokus auf klare Strukturen und Mannschaften, die diesen Namen auch verdienen, könnte Dirk Bauermann die ideale Besetzung sein, um dem Standort Würzburg endgültig wieder mehr Gewicht auf der Landkarte des Basketballs zu geben. Hierbei kommt es jedoch neben dem Erfolg auf dem Parkett auch darauf an, in absehbarer Zeit mit einer Alternative zur in die Jahre gekommenen s.Oliver Arena eine Basis für die Zukunft zu legen.
Der Song zur Saison
„Back To The Old Days“ – Secondhand Serenade