Nathalie Lütz & Klaus Beydemüller im Doppel-Interview

Die Corona-Pandemie sorgt mit einem erneuten Lockdown für noch tristere Herbstwochen als gewöhnlich und erschüttert die Gesellschaft und die Sportlandschaft erneut bis ins Mark. Prokuristin Nathalie Lütz und Klaus Beydemüller, 1. Vorsitzender der Dragons Rhöndorf, blicken im Interview auf die aktuelle Lage am Menzenberg und darüber hinaus.

Die Gefahr eines möglichen erneuten Lockdowns schwebte schon lange über der Republik und ist nun Gewissheit geworden. Der Spiel- und Trainingsbetrieb ruht. Wie blickt ihr auf die aktuelle Lage?

Nathalie Lütz: Ich habe tatsächlich bis zuletzt gehofft, dass die Regierung nicht erneut zu solch drastischen Maßnahmen greift und war doch erstmal sehr niedergeschmettert, als ich die Entscheidung gehört habe. Die jetzige Lage ist für den Vorstand und das Office, als auch die Spieler sehr bedrückend, haben wir doch alle lange an einem Ziel gearbeitet: Einem sicheren und gangbaren Hygienekonzept für den Vereinssport und den Spielbetrieb. Auch unsere Mitglieder sind sicherlich traurig über die aktuellen Beschlüsse!

Klaus Beydemüller: Es ist natürlich für uns alle eine sehr frustrierende Situation, auch wenn die Politik in Anbetracht der zweiten Corona-Welle zum Handeln gezwungen war. Wie Nathalie bereits sagte: wir haben gemeinsam mit den zuständigen Behörden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um unter den schwierigen Bedingungen einen geordneten Trainings- und Spielbetrieb gewährleisten zu können. Jetzt ist alles wieder auf Null gesetzt und niemand kann vorhersagen, was die Zukunft bringt. Es bleibt derzeit nur, uns für verschiedene Szenarien zu präparieren, auch wenn hinter vielem Fragezeichen stehen.

Ein schwieriges Jahr für die Dragons, aber auch für die gesamte Sportlandschaft ist jetzt nochmals schwieriger geworden. Spiele mit weniger Zuschauern und nun erstmal kein Spielbetrieb bei weiterlaufenden Kosten. Wie ist die Lage der Dragons Rhöndorf einzuschätzen?

Nathalie Lütz: Nun ja, wenn ich sagen würde, dass es rosige Zeiten sind und wir im Geld schwimmen, würde ich lügen! Die Situation ist ernst und wir blicken nicht mehr nur noch mit einem weinenden Auge auf die Zahlen… Zumal niemand sagen kann, wie lange die jetzige Situation anhalten wird und wann wir wieder mit Zuschauergeldern rechnen können. Umso mehr sind wir auf die Unterstützung unserer Sponsoren und Förderer angewiesen, die wir jetzt regelrecht bitten uns in dieser stürmischen Zeit nicht im Stich zu lassen, obwohl wir selbst auch um deren Existenzen und Ängste wissen und mitfühlen!

Klaus Beydemüller: Die Gefahr ist sicherlich konkret gegeben, dass Corona insgesamt eine verwüstete Sportlandschaft hinterlassen kann. Deutliche Einschnitte sind schon jetzt im Amateur- wie Profibereichen zu spüren, deren Egalisierung uns noch lange beschäftigen werden. Eines ist jedoch klar, Sport hat eine wichtige soziale Funktion in unserer Gesellschaft – eine, die durch nichts zu ersetzen ist. Jeder Gönner, der den Dragons in den schweren Zeiten zur Seite steht, investiert folglich in eine bessere Zukunft vor der eigenen Haustür. Genau auf dieses Verständnis setzen wir!

Bei einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Dezember gilt es als wahrscheinlich, dass keine oder noch weniger Zuschauer als bislang zugelassen sein werden. Gerade in Sportarten die zu einem großen Teil auf die Ticket-Erlöse angewiesen sind gelten diese Geisterspiele Antreiber eines möglichen Ruins. Wie blickt ihr darauf?

Nathalie Lütz: Zu Beginn der Saison haben wir uns auch ganz klar gegen eine Ausführung von Geister-Spielen ausgesprochen. Nun nach monatelanger Arbeit und vielen Geldern, die in die Hygienemaßnahmen und Spielerverpflichtungen geflossen sind, sind wir ganz klar anderer Meinung: Hauptsache wir beenden die Saison und wenn das bedeutet, dass wir ohne Zuschauer spielen müssen, dann gehen wir den Weg eben mit! Wir haben auch eine Verantwortung unseren jungen Spielern gegenüber und müssen den Verein am Leben halten! Es wird finanziell hart, aber die andere Option wäre härter!

Klaus Beydemüller: Ich möchte in diesem Zusammenhang den Begriff „Alternativlos“ strapazieren. Wir wollen in dieser Saison um den Aufstieg in die ProB mitspielen und dafür haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten entsprechendes Geld in die Hand genommen. Daher werden wir alles dafür tun, dass die Saison regulär beendet wird. Auch wenn Begegnungen vor leeren Rängen natürlich eine ordentliche Delle für unsere Gemütslage als auch in unserem Portemonnaie bedeutet.

Auch der Breiten- und Jugendsport steht still und es ist unklar, ob es dort überhaupt noch eine Saison geben wird. Hat der Lockdown Auswirkungen auf die Mitgliederzahl, da die Dragons Rhöndorf momentan für ihren Monatssbeitrag wenig anbieten können?

Nathalie Lütz: Aktuell muss ich mich aufrichtig bei unseren Mitgliedern bedanken, dass Sie uns nicht oder nur sehr wenig verlassen und auch keine Gelder zurückverlangen. Wir wissen, dass es auch für viele Familien gerade eng ist und freuen uns deshalb noch mehr darüber, dass uns so viele treu bleiben! Sicherlich hoffen wir alle darauf, dass es auch ein Leben und einen Vereinssport nach Corona geben wird! Ich muss jedoch wirklich sagen, dass unsere Mitglieder in dieser Situation sehr geduldig sind, wir wenig Anrufe und Nachfragen bekommen und es alle ernst und gewissenhaft mittragen. Danke dafür!

Klaus Beydemüller: Dem kann ich mich nur anschließen. Wenngleich ich sagen muss, die Loyalität überrascht mich nicht wirklich. Der Familiengedanke ist seit jeher das große Pfund der Dragons. In letzter Zeit war er vielleicht ein bisschen eingeschlafen, jetzt, wo es darauf ankommt, „stonn mer zesamme“. Das gibt dem Office, Team sowie Vorstand eine Menge Energie für die anstehenden Aufgaben.

In der jedem Rückschlag liegt ja bekanntlich auch eine Chance. Wie können die Dragons die aktuelle Situation vielleicht auch erneut nutzen um sich in Bereichen abseits des Feldes zu verbessern?

Nathalie Lütz: Mir fällt es schwer, das hier alles als Chance zu betrachten! Sicherlich können wir die Zeit gut nutzen, um wieder an Konzepten zu arbeiten und unsere Jugendarbeit nach vorne zu bringe. Doch auch diese Arbeit ist irgendwann getan und nicht gerade erfüllend, wo wir doch alle für den aktiven Sport brennen. Unser Ziel ist es weiterhin unsere Schul-AGs voranzutreiben, die aktuell gottseidank noch stattfinden dürfen und natürlich wieder in die Pro B aufzusteigen. Aber dies passiert alles nicht, indem wir zum Stillstand gezwungen sind.

Ich kann abschließend nur den DOSB zitieren: „Leider berücksichtigt der generelle Lockdown nicht die vielfältigen und erfolgreichen Aktivitäten des Sports, der durch ein hohes Maß an Disziplin und mit der konsequenten Umsetzung von Hygiene-Konzepten erreicht hat, dass der Sport nachweislich kein Infektionstreiber ist. [..] Wir fordern, dass die angekündigten Nothilfen dem Sport in seiner ganzen Vielfalt unproblematisch zur Verfügung gestellt werden.“

Klaus Beydemüller: Wie Nathalie sagt, können wir uns derzeit natürlich auf die Schärfung genereller Konzepte konzentrieren. Auf der anderen Seite werden Prozesse aber immer wieder durch tagesaktuelle Entwicklungen blockiert. Es ist halt schwierig, sich mit vollem Elan beispielsweise Förderkonzepten zu widmen, ohne zu wissen, wann sie in die Tat umgesetzt werden können. Es bleibt zu hoffen, dass der vierwöchige Lockdown den gewünschten Effekt hat. Über alles andere möchte ich derzeit noch nicht nachdenken. Eines ist jedoch klar: wir brauchen gangbare Perspektiven sowie Unterstützung für den Basketballsport im Allgemeinen und die Dragons im Speziellen, die wir nur im offenen Diskurs mit verantwortlichen Politikern, Behörden und Verbänden realisieren können.

Zum Abschluss noch die Möglichkeit für euch, der Dragons-Familie ein paar persönliche Worte mit auf den Weg zu geben.

Nathalie Lütz:  Meine einzigen Worte an all unsere Mitglieder, Fans, Spieler, Helfer, Sponsoren und Förderer ist nur eins: Danke für die Unterstützung in den letzten Monaten und bleibt bei uns, bis wir uns hoffentlich bald gesund und munter wiedersehen! Ich wünsche allen viel Durchhaltevermögen und Kraft in dieser schweren Zeit, weiß ich doch um einige Schicksale und möchte euch mein Mitgefühl und meine positiven Gedanken zusenden!

Klaus Beydemüller:  Lasst Euch den Spaß am Dribbeln, an Korblegern, Sprungwürfen sowie Dunks nicht verderben, auch wenn’s aktuell schwerfällt. Auf ein baldiges Wiedersehen in der Halle, in alter Frische!

#WirGehenZusammenDurchFeuerUndFlammen