So isset! – 02/2020

In den vergangenen Tagen keimte immer wieder Kritik an unserer Öffentlichkeitsarbeit auf. Wir würden die Fans nicht ausreichend über die aktuellen Geschehnisse rund um die Dragons informieren. Vereinzelnd kamen mir Begriffe wie unterirdisch, inkompetent und lächerlich zu Ohren, auch was unsere Entscheidungen sowie Handeln angeht. Vorwürfe, die ich so nicht im Raum stehen lassen möchte.

Natürlich ist das Interesse von Euch Fans an News legitim. Auf der anderen Seite solltet Ihr berücksichtigen, unter welchen Bedingungen das Drachen-Boot auf Kurs gehalten wird. Wir heißen eben nicht Bayern München, deren Office etwa doppelt so viele Menschen beschäftigt wie wir an Mitglieder zählen. Derzeit haben wir drei hauptamtlich Angestellte, die alles rund um unseren Verein sowie das Regionalligateam managen. Was spezielle Gewerke angeht, beispielsweise die Organisation des Hallen-Event, Ticketing und Pressearbeit wird von engagierten Leuten neben Beruf oder Studium erledigt. Nur mal so zum Verständnis.

Auch auf die Gefahr hin, bei vielen großes Gähnen auszulösen – aber Corona hat uns auch ziemlich auf Trab gehalten. Lange Zeit stand es auf der Kippe, ob der Saisonstart mit Fans in der Halle stattfinden kann. Es waren drei Monate hartes Ringen und viel Maloche, bis wir ein Gesundheitskonzept am Start hatten, was den Ansprüchen der Stadt sowie des Gesundheitsamts entsprach. Vorerst, denn bekanntlich kann sich die Situation fast täglich verändern und neuen Handlungsbedarf ergeben, was die Informationspolitik ziemlich erschwert …

Für Ärger sorgte auch das Ticketing-Thema. Hier stellte sich die Frage: wie verteilen wir die 300 Dauerkarten gerecht? Aufgrund der geschrumpften Kapazität war es unmöglich alle seit Jahren angestammten Sitzplätze zu garantieren. Daher entschieden wir uns fürs Prinzip „wer zuerst kommt, malt zuerst“. Sicherlich keine optimale Lösung, allerdings die fairste. Nach Veröffentlichung hatte jeder die Chance seinen Platz zu ergattern, im Idealfall punktgenau oder möglichst nah dran. Hier kann ich nur sagen: sorry an alle Geschmähten, hoffentlich erleben wir bald wieder andere Zeiten.

Im Punkt Verpflichtungen kann ich mit guten Gewissen behaupten, sobald ein Vertrag in trockenen Tüchern ist, erfolgt eine Pressemitteilung. Zugegeben, in dieser Pre Season kamen die guten Nachrichten teilweise spät. Dazu muss man wissen, dass Verhandlungen mit jungen Talenten ein zeitintensives Geschäft sind. Zunächst müssen in stundenlangen persönlichen Telefonaten konkurrierende Klubs überflügelt werden. Es folgen intensive Gespräche mit Spieler, Eltern und Berater, um alle Beteiligten vom Programm zu überzeugen. Erst dann geht es an die Vertragsverhandlungen, die sich im Detail meist auch noch komplizierter gestalten. Obendrauf müssen bei internationalen Talenten Freigaben seitens jeweiliger nationaler Verbände erwirkt sowie bestimmte Auflagen der FIBA, DBB sowie deutscher Behörden erfüllt werden. Verfahren, die sich mitunter ziehen, zäh wie Kaugummi. Um mal eine Größenordnung aufzumachen, zwei Monate sind ein Ding wie nix. Oft genug heißt es dann auch noch „außer Spesen nichts gewesen“, wenn sich Spieler kurzentschlossen anders entscheiden. Aus diesem Grund bleiben wir unserer Linie treu und geben nur faktische Verpflichtungen bekannt. Spekulieren überlassen wir anderen, auch wenn es zugegeben Spaß macht.

Die Kooperation mit den Telekom Baskets Bonn entwickelt sich ebenfalls verstärkt zum Zankapfel in den sozialen Medien. Angeprangert wird, dass die Bonner in der Vorbereitung die Doppellizenz-Spieler mal wieder vereinnahmt hätten – wie üblich! Doch in Zeiten der Corona-Epidemie ist nun einmal nichts üblich! Die Telekom Baskets müssen eine suboptimale Saison vergessen machen, eine optimale Vorbereitung ist daher für sie, aber auch für uns immens wichtig. Ohne „unser“ Quartett wäre ein geregelter Trainingsbetrieb auf der anderen Rheinseite kaum denkbar gewesen. Dumm nur, dass eine Durchmischung beider Trainingsgruppen die Infektionsgefahr deutlich erhöht hätte. Zumal in unseren Reihen kaum Profis sondern überwiegend Jungs unterwegs sind, die z.B aufgrund von Schule nicht zu kasernieren sind. Respektive war es also eine Entscheidung pro Spieler. Denn eines dürfen wir nicht vergessen: die BBL-Perspektive ist für die Toptalente ein wichtiges Argument nach Rhöndorf zukommen. Inzwischen sind Bruno Albrecht und Marek Kontieno wieder komplett bei uns. Ein Fragezeichen steht noch hinter Gabriel de Oliviera sowie Kilian Binapfl. Gabriel ist fest im Rhöndorfer Kader eingeplant, es werden Wege sondiert, unter welchen Bedingungen und ab wann er wieder für uns auflaufen kann. Kilian ist dagegen fest im Bonner Zehnerkader eingeplant und wird uns nur bei ausgewählten Spielen verstärken. Wann und welche Spieler wo trainieren liegt im Ermessen der beteiligten Trainer beider Seiten. Die immer wieder aufflammenden Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Kooperation sind jedenfalls kontraproduktiv. Faktisch sind wir auf die Telekom Baskets angewiesen und sie auf uns.

Abschließend sei ausdrücklich festgestellt: ja, wir waren sicherlich nicht so kommunikativ, wie Ihr es euch es gewünscht habt. Daran werden wir arbeiten, versprochen. Allerdings war das letzte Jahr für das gesamte Dragons-Team hinter der Mannschaft auch ein ziemlicher Höllenritt. Geprägt von viel Konzeptarbeit, hohem Zeiteinsatz und schwierigen Entscheidungen. Ob wir mit dem Gros richtig lagen, wird die Saison zeigen. Und am Ende des Tages sehe ich mich in der Verantwortung, so oder so. Wenn es in die Hose geht, könnt Ihr mich mit Recht aus der Halle prügeln …

Euer Klaus Beydemüller

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