Talents stoßen die Türe zu den Play-offs weit auf

Nichts für schwache Nerven war das erste Sonntagsheimspiel der Talents BonnRhöndorf in der TOYOTA 2. Damen-Basketball-Bundesliga. Gegen die ChemCats Chemnitz brauchte es schon eine Verlängerung, um am Ende mit 69:65 (26:30/61:61) die Oberhand zu behalten. Durch den schwer umkämpften Erfolg tauschten die Talents mit Chemnitz den Tabellenplatz und liegen nun auf Rang 7. Und angesichts der ausstehenden zwei Spieltage und zwei Spielen Vorsprung auf Braunschweig und Lichterfelde nebst besserem direkten Vergleich landet der Klassenneuling zum Abschluss der Hauptrunde in 14 Tagen voraussichtlich mindestens auf Rang Acht.

Es gibt wohl eine allerdings sehr komplizierte Tabellenkonstellation, in der am Ende – sofern die Talents beide ausstehenden Partien abgäben und die Mitbewerber allesamt punkteten – vier oder gar fünf Teams sieggleich wären. Mit unsicherem Ausgang. Wahrscheinlich ist das aber nicht, so dass man sich in Bonn und Rhöndorf mit dem Gedanken an Play-off-Spiele nach Ostern befassen darf.

Eine freudestrahlende Bea Waffenschmied lobte ihr Team hinterher für die vielen kleinen Dinge, welche das Talents-Ensemble richtig gemacht hatte. Vor allem defensiv konnte die Trainerin mit ihrer Mannschaft und der gezeigten Intensität sehr zufrieden sein. Und: ihr ganz persönlicher „Chemnitz-Fluch“ wurde endlich durchbrochen. Waffenschmied hatte in ihrer Trainerkarriere – zurückreichend bis in frühere WNBL-Zeiten – noch niemals gegen Chemnitz gewinnen können.

Über den offensiven Output musste man allerdings lange den Mantel des Schweigens bereiten. Bis zur Halbzeit (26:30) waren die Trefferquoten der Gastgeberinnen alles andere als Play-off-würdig. Der Druck des Gewinnen-müssens lag auf beiden Teams, wobei die Gäste aus Sachsen damit bis zur Pause – so schien es – etwas besser zurecht kamen. Bei den Talents fehlte zudem Alinde Kerluku, die mit ihrem Kölner WNBL-Team in Braunschweig antrat und für diese Play-off-Begegnung selbstverständlich freigestellt war.

Nach dem Wechsel rückte Olivia Okpara in den Vordergrund. Die 20 jährige setzte sich nun immer besser an beiden Körben durch und traf gleich mehrfach mit „And One“. Leider fielen die Bonusfreiwürfe nicht durch die Reuse, wie überhaupt das ganze Talents-Team zu viele Punkte an der Freiwurflinie ließen ließ. Greta Gomann warf ihr Team mit 38:36 in Führung (27.), doch Chemnitz reagierte prompt. Chiara Schmieders Dreier sorgte für lange Gesichter bei Waffenschmied & Co. (38:42, 29.) Einer gut aufgelegten Lisa Arz, die wichtige Körbe beisteuerte, war es zu verdanken, das man „nur“ mit zwei Punkten Rückstand in das letzte Viertel ging (45:47).

Noch zehn Minuten Nervenflattern für die Talents und die Zuschauer, dachte man zumindest. Beide Teams schenkten sich nichts, verbissen wurde um jeden Ball gekämpft. Von außen war bei den Talents bis dahin nicht viel gefallen, zwei ultrawichtige Distanztreffer von Amelie Kröner bescherten den Gastgeberinnen dann aber ein kleines Polster. Als Okpara mit Steal und Korbleger gar auf 59:51 für ihre Farben stellte, schien das Match in die für die Talents richtige Richtung gedreht zu sein. Aber es kam anders. Die Chemcats waren noch nicht mit ihrem Latein am Ende. Bis auf 58:61 waren die Sächsinnen in der letzten Spielminute herangekommen und schafften tatsächlich durch Lilly Küppers` gewiss nicht einfachen Dreier noch den Ausgleich. Auf der Gegenseite klatschte Zoe Perlicks Gamewinner auf den Ring – Overtime.

In der Verlängerung legte Chemnitz zuerst vor, dann gelang den Talents jedoch eine 8:0-Serie, die Okpara und Kröner als Protagonistinnen sah. Der 69:65-Sieg bescherte der BonnRhöndorfer Kooperation nun aller Voraussicht nach die Play-off-Teilnahme im ersten Jahr Zweite Bundesliga. Mit 24 Punkten und zehn Rebounds avancierte Okpara zur „Woman of the Match“. Kröner kam ebenfalls auf ein Double-Double (18/10). Lara Brinkmann ergatterte saisonbeste 17 Rebounds für ihr Team.

Viertel: 11:12 / 15:18 / 19:17 / 16:14 / 8:4


Es spielten: G. Gomann 11 Punkte, L. Arz 8 Punkte/2 Dreier, N. Carstens, Z. Perlick 1, O. Okpara 24/1/10 Rebounds, A. Hans, S. Flottmann 2, M. Koopmann 1, A. Kröner 18/3/10 Rebounds, L. Brinkmann 6/17 Rebounds, M. Kleinert 2.