In Love with Basketball – Interview Miles Schmidt-Scheuber

Seit 2016 ist Miles Schmidt-Scheuber die Stimme der Livestreams aus dem DragonDome und ein fester Bestandteil der Drachen-Familie. Der umtriebige Basketball-Journalist und Broadcaster ist ein fester Bestandteil der deutschen Basketball-Szene und gibt im Interview exklusive Einblicke in seine Karriere und seine Projekte.

Dragons.de: Miles, auch du bist als Basketball-Journalist und Broadcaster viel in den Hallen der Basketball-Republik unterwegs. Wie sehr hat dich das plötzliche Saisonaus in vielen Ligen aufgrund der Corona-Pandemie getroffen?

Miles Schmidt-Scheuber: Es hat mich sehr getroffen. Als Basketball-Journalist bin ich ja gleichzeitig auch Fan. Zwischen Oktober und Juni bin ich fast jedes Wochenende in irgendeiner Halle und berichte über Basketball. Hier und da bin ich auch mal froh, ein seltenes Wochenende frei zu haben. Aber als COVID-19 eingeschlagen hat, wurde mir sehr schnell klar, dass mein Basketball-Leben sich sehr ändern wird. Ich hatte das Glück am 10 März noch das Basketball Champions League (BCL) Spiel in Bonn gegen AEK Athen sehen zu dürfen. Ich wollte erst gar nicht hin, aber ich hatte so ein Gefühl, dass es mein letztes Spiel für längere Zeit sein könnte. Ich bin rückblickend froh, dass ich hingegangen bin, weil ich nette Menschen getroffen hab, die ich nicht so oft sehe wie Jörg Bähren oder den früheren Spieler Japhet Mcneil. Außerdem konnte ich auch Mario Chalmers spielen sehen, der mit den Miami Heat eine NBA Championship errungen hat.

Du bist in vielfältiger Weise als Begleiter des Basketballs in Deutschland aktiv. Beschreib doch einmal kurz deinen beruflichen Werdegang.

Ich bin in den USA in Boston aufgewachsen und wie jeder normaler Ami zur Schule gegangen. Nur der kleine Unterschied war, dass ich deutsche Eltern hatte. Ich habe zwischendurch eine Banklehre in Frankfurt gemacht, was sehr interessant, aber nicht so mein Ding war. Danach habe ich in Boston studiert und 2001 entschieden nach Deutschland zukommen und hier zu leben. Ich hab viele Verwandte hier und war schon immer gerne in „good old Germany“ zu Besuch. In Deutschland hab ich erst bei AFN (American Forces Network) gearbeitet und dort 2004 das erste Mal über den deutschen Basketball berichtet. Das war damals die Zeit, in der die Frankfurt Skyliners die Deutsche Meisterschaft erringen konnten. Von 2005 bis 2013 habe ich für Radio Fortuna gearbeitet und für den Sender alle Spiele der Frankfurt Skyliners im Webradio kommentiert. Gleichzeitig arbeite ich seit 2008 bei Eurobasket.com, wo ich Artikel und Interviews verfasse und bei germanhoops.com. Im Prinzip ist germanhoops.com mein Archiv für meine ganze Arbeit, weil eurobasket.com nicht alles speichert. So kann man meine Artikel von 2009 bis heute komplett bei germanhoops.com finden. Nach der Zeit bei Radio Fortuna hab ich weiter Spiele kommentiert für basketballstream.de, die Fraport Skyliners Pro B/NBBL teams und seit 2016 für die Dragons Rhöndorf. Nebenbei bin ich auch tätig bei Weller Sports & Entertainment.

Seit rund 4 Jahren begleitest du als Kommentator des Livestreams die Heimspiele der Dragons Rhöndorf. Wie kam es dazu?

Ja erstmal vielen dank an die Dragons Familie, dass ich es machen darf. Es bereitet mir sehr sehr viel Spaß, die Spiele der Dragons kommentieren zu dürfen. Einer meiner Bekannten, Hans Beth, sagte mir im Sommer 2016, dass die Dragons einen Kommentator für den Stream suchen und er kannte den damaligen Geschäftsführer Boris Kaminski gut. Ich bekam die Nummer von Boris und hab dann den Job bekommen. Auch wenn viele Leute mich primär in Verbindung zu den Fraport Skyliners bringen, muss ich sagen, dass ich mich in den letzten 4 Jahren extrem wohl gefühlt hab im DragonDome und sehr gerne in der Halle bin. Es ist wirklich sehr familiär dort. Der DragonDome ist zu meinem zweiten Zuhause geworden.

Was macht für dich die Dragons Rhöndorf aus?

Es ist eine professionelle Organisation, die sehr viel Tradition hat. Hier wird sehr gut gearbeitet und mit viel Herz und Passion. Der Verein ist sehr ambitioniert, hat hohe Ziele und gehört einfach wieder in eine der höheren Ligen. Es ist schon von Vorteil, einen Erstligaklub wie die Telekom Baskets Bonn im Rücken zu haben, mit denen man erfolgreich kooperiert. Man hat auch letzte Saison gesehen wie gut die Kooperation funktioniert. Die jungen Deutschen wie Killian Binapfl und Gabriel de Olveira haben gute Fortschritte gemacht und auch Minuten in der BBL und BCL bekommen. Interessant ist auch, dass ich über meine Tätigkeit bei den Skyliners viel über die Historie der Dragons erfahren konnte im Austausch mit Gunnar Wöbke und KLaus Perwas. Ich war das erste mal in Rhöndorf in der Saisonvorbereitung 2006, als Frankfurt ein Turnier in Rhöndorf spielte und auf die Dragons, Köln und die Telekom Baskets Bonn traf. Ich war da an einem Sonntag bei zwei Spielen im Einsatz als Kommentator. Ich kann mich noch gut erinnern, Demond Mallet nach dem Spiel interviewt zu haben und ich hatte meine erste Begegnung mit dem Monster Marcin Gortat.

Du hast in deinem Leben bereits viele Spiele gesehen und viele Basketballer interviewt? Gibt es ein oder zwei Highlights die du erwähnen möchtest?

Es sind wirklich sehr viele Spieler, die ich interviewt habe. Aktuell ist meine Interview Zahl bei über 1.300 und sie steigt wöchentlich. Einer meiner Lieblings-Interviewpartner über die Jahre ist der 4-fache Euroleague Gewinner Kyle Hines. Ich hab ihn vor paar Wochen erneut interviewt und wir haben eine sehr freundschaftliche, aber professionelle Beziehung. Ich hab ihn damals das erste Mal in der Saison 2010/11 interviewt, als er noch in Bamberg spielte. Wir haben uns gut verstanden und so bestand eine gute berufliche Beziehung. Ich hab die letzten Jahre immer wieder die Möglichkeit gehabt, ihn so 2-3 mal im Jahr zu interviewen als er bei Olympiakos spielte und jetzt die letzten Jahre bei CSKA Moscow. Andere Highlights in meiner Laufbahn waren sicherlich die Buzzer Beater bei verschiedenen Spielen, die ich live kommentieren konnte. Ganz klar einer meiner Lieblings-Buzzer Beater war der von Kameron Taylor gegen Frankfurt in der Spielzeit 2017/18. Das war so ein emotionaler Moment für mich. Da gab es kein Halten mehr! Ich bin froh, dass ich meine Stimme nicht verloren habe. Das ist eine Szene, die ich mir manchmal wieder rein ziehe.

Du hast in den vergangenen Monaten ein Buch über deine Erlebnisse und Begegnungen in den großen und kleinen Basketball-Arenen dieser Welt geschrieben. Was erwartet den Leser?

Das ist ein Projekt, das ich und mit meinem Kollegen Manuel Schust (Autor des Buchs 111 Gründe die Fraport Skyliners zu lieben/Aktueller Pressesprecher der wiha Panthers Schwenningen) in Jahr 2016 ins Leben gerufen habe. Leider ist das Projekt immer ein wenig ins Stocken geraten, weil wir beide immer viel zu tun haben. Aber im letzten Jahr konnten wir viel erreichen und das Buch ist so gut wie fertig. Es ist so ein wenig in dem Still des Skyliners-Buch gehalten, wird aber „nur“ 99 Geschichten enthalten, in denen von meinen Erlebnisse in der Welt des Basketballs erzähle. Es ist ein Buch was es in dieser Weise noch nie in Deutschland gab. Gerade auf dem deutschen Markt erscheinen Basketball-Bücher nicht so häufig. Es ist ein sehr ehrliches Buch, in dem ich viel über meine Erlebnisse plaudere. Es gibt einige Geschichten über meine Kindheit und auch einige Kapitel wo man vom Titel erst mal denken wird „was wird das denn für ein Kapitel?!?“, aber im Ende dreht sich alles um Basketball. Ich glaube, es wird dem normalen Basketballfan gefallen, weil es ein sehr vielseitiges Buch ist. Die Geschichten befassen sich mit meinen persönlichen Erlebnissen von ganz oben in der NBA/Euroleague bis zur Regionalliga. Natürlich gibt es viele Kapitel nur über Spieler, aber ich hatte auch viele interessante oder auch witzige Erlebnisse mit Spielern. Eine paar Beispiele wären Luka Doncic, Derrick Allen, Tyler Honeycutt, Jared Jordan, Isaiah Hartenstein, Demond Mallett oder Omari Westley(2009 BBL top scorer) Ich habe auch 4 Kapitel über die Dragons Rhondorf. Ein Kapitel heißt „Ich fühle mich wie ein Teil der Dragons Familie“. Die anderen drei Kapitel drehen sich um Spieler. Leute, die mich besser kennen, können sich vorstellen über welche beiden Spieler ich geschrieben habe. Auf den dritten Spieler kommt man nicht so leicht.

Kannst du auch schon den Titel und das Erscheinungsdatum verraten?

Wir haben zwei Arbeitstitel: “The Real Deal” und “Der 10,000 Stunden Man”. Wir hoffen es um die Weihnachtszeit veröffentlichen zu können.

Miles, vielen Dank für das Gespräch und bis hoffentlich bald im DragonDome!

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