So Isset! – Trainer kein Thema!

Die Mechanismen sind im Sport nach Niederlagenserien leider bekannt. Stufe 1 „Panik“: Das Abstiegsgespenst geht um, wie soll man die Kurve kriegen? Stufe 2 „Schuldzuweisungen“: Wer hat welche Fehler gemacht? Stufe 3 „Konsequenzen“: Welche Köpfe müssen rollen? Im Endeffekt entlädt sich das Ungemach meist komplett über der Person des Trainers, der dann seinen Hut nehmen muss …
Ganz offen gesagt bin ich froh, dass wir nicht im Fußball-Geschäft sondern in der Basketball-Szene unterwegs sind und die Uhren in Rhöndorf sowie Bonn anders ticken! Zugegeben, das bisherige Abschneiden der Dragons ist nicht zufriedenstellend. Letztendlich handelt es sich um Ergebnissport und gewisse Sorgen sind angesichts der bisherigen Resultate berechtigt. Die Analyse der Misere offenbart allerdings vielschichtige Gründe, für die Thomas Adelt – aus meiner Sicht – kaum verantwortlich zu machen ist.
Wenn du gezwungen bist eine Mannschaft quasi komplett neu aus dem Boden zu stampfen, hilft viel Kohle in der Kasse natürlich erheblich dabei Top-Spieler zu verpflichten. Je geringer das Budget, umso mehr gerät das Recruiting zum Roulette-Spiel. Selbst sorgfältigste Videoanalysen und intensive Gespräche geben nur bedingte Garantien. Mit Zygimantas Riauka hat Thomas Adelt selbstredend wieder ein Volltreffer gelandet. Seine Klasse alleine reicht allerdings nicht aus, um die jungen Wilden in die Erfolgsspur zu puschen. Es ist deutlich sichtbar, David Falkenstein und Joe Koschade brauchen im Spielaufbau einen Leitwolf. Die Rolle soll nun Kwan Waller übernehmen. Und auch auf der Flügelposition, ergo was die Fire Power von außen angeht, hat der Dragons-Coach noch eine offene Baustelle.
Ohne kalten Kaffee aufwärmen zu wollen, ebenso der Ausfall von Alex Dohms beeinträchtigte die Arbeit von Thomas Adelt nicht unerheblich. Vor allem in der wichtigen Vorbereitungsphase, wo das sportliche Fundament für die Saison gelegt wird. Aufgrund der plötzlichen Lücke auf der Geschäftsstelle war er gezwungen sich verstärkt um administrative Dinge zu kümmern. Gut, eine temporäre Notwendigkeit, allerdings auch ein Störfaktor bei der Entwicklung des Teams. In diesem Sinne bleibt zu hoffen, dass hinter den Kulissen rasch schlagkräftige Strukturen geschaffen werden.
Insgesamt hinterließ die Geschäftsstelle in den letzten Wochen den Eindruck eines engagierten Feuerwehrteams, das einen Brandherd nach dem Anderen zu bekämpfen hatte. Dabei kam die notwendige Rückendeckung für den Headcoach automatisch zu kurz. Aufkeimende Trainerdiskussionen in der Öffentlichkeit erachte ich daher nicht nur für Fehl am Platze sondern ist absolut destruktiv. Wir können von Glück sagen, dass die Heimspiele von so zuverlässigen ehrenamtlichen Helfern getragen werden. Eine Sorge weniger!
Bedingungslose Unterstützung seitens der Fans hilft in der schwierigen Phase ungemein – Spielern, Trainern und Machern gleichermaßen. Vertrauensvorschuss ist jetzt gefragt, damit die Dragons perspektivisch wieder in ruhige Fahrwasser kommen.
Euer
Klaus Beydemüller
 
Zur Person
Klaus Beydemüller hat als anerkannter Basketball-Journalist und -Fachmann seit Jahren den deutschen Basketball im Blick und steht als treuer Fan und Berater den Dragons seit unzähligen Spielzeiten zur Seite. In seiner Kolumne „So Isset!“ greift das Drachen-Urgestein aktuelle Themen rund um die Dragons Rhöndorf auf und kommentiert in seiner eigenen Sichtweise. Klaus Beydemüller ist kein offizieller Vertreter der Dragons Rhöndorf und vertritt in seiner Kolumne nicht die offizielle Meinung der Dragons Rhöndorf.